Freitag, 16. September 2016

„New citizens, glad to have you aboard!“


Ich bin noch immer völlig geflasht: Heute morgen war ich zu Gast bei einer Naturalization Ceremony. Über 120 Menschen aus der ganzen Welt haben in einem Festzelt auf einer alten Plantage ihre amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Ein unglaublich emotionales Event... und das nicht nur bei der Nationalhymne. Ergreifend war vor allem der Teil, als sich alle Anwärter namentlich vorstellten und ihre Herkunftsländer nannten: unter anderem Jamaika, Peru, Mexiko, Costa Rica, Kolumbien, Ukraine, England, Thailand, Indien, China, Polen und sogar eine Barbara aus Deutschland war dabei. Leider habe ich sie später nicht mehr im Getümmel gefunden, ich hätte gerne mit ihr geredet und mehr über sie erfahren.
Nach dem Treueid auf die Verfassung der USA erklärte der zuständige Richter: „New citizens, glad to have you aboard!“ Alle applaudierten strahlend und schwenkten ihre kleinen Fahnen mit der US-Flagge: Gänsehaut! Es war eine wahre Freude, das als Zuschauer miterleben zu dürfen. Mit der feierlichen Zeremonie und der am Ende erhaltenen Urkunde endete für die Bewerber das Einbürgerungsverfahren, für das sie knapp $ 700 Gebühren hinlegten. Jetzt dürfen sie einen U.S.-Pass beantragen.
Nach dem Festakt habe ich ja leider nicht mit Barbara sprechen können, dafür aber mit einem der Veranstalter. Er hat schon zahlreiche Einbürgerungen miterlebt, ist aber jedesmal erneut ergriffen. In Bezug auf Trumps Wahlkampf-Motto „Make America great again“ meint er: „More Americans should watch this ceremony. America is great."












Sonntag, 4. September 2016

Und plötzlich war der Strom weg...

Am Freitag hatten wir Hermine zu Gast, anfangs als Hurrikan (Kategorie 1) bezeichnet, dann zum tropical storm herabgestuft. Das kann in der Hurrikan-Saison von Juni bis November schon mal vorkommen, wie wir bereits im letzten Jahr festgestellt haben (damals wurden Teile von Charleston überflutet, hier und hier der Link zu meinen Berichten). Seither wissen wir, dass jedem Bewohner für solche Situationen eigentlich ein disaster supply kit empfohlen wird, das unter anderem aus ausreichend Wasser, Wechselklamotten, Taschenlampen, Batterien, einem Radio und haltbarem Essen besteht. Da man sich ja nur ungern mit Katastrophenfällen befasst, haben wir die Hinweise bislang ignoriert. Getreu dem Motto: Wird schon nichts passieren.
Als klar war, dass wegen Hermine am Freitag vorsichtshalber alle Schulen geschlossen wurden und die Stadt aus Angst vor Überflutungen Sandsäcke verteilte, habe ich beim Einkaufen zumindest mal zwei Kanister Wasser besorgt (sonst trinken wir Leitungswasser). Dabei war ich nicht die einzige, wie der Blick ins teils leere Supermarktregal zeigte. Um vor dem nachmittäglichen Sturm in Sicherheit zu sein, hat Chris' Firma alle Mitarbeiter wesentlich früher nach Hause geschickt. Und dort saßen wir dann gegen 15 Uhr am heimischen Tisch mit einem dampfenden Topf Pasta auf dem Tisch, als plötzlich das Licht und die Klimaanlage ausgingen. Stromausfall. Nur die Handys funktionierten noch: "Hermine is here", postet in diesem Moment die Zeitung auf dem Smartphone. Ach was. Wir haben das Wetterschauspiel dann unter unserem Terrassendach verfolgt, dabei Melonen gegessen und die frische Brise genossen. Der Sturm war halb so wild, die befürchteten Tornados blieben aus und am frühen Abend waren wir schon wieder vor der Tür auf "Erkundungstour": Es sah hier und da etwas wüst aus, viele Äste waren abgebrochen und lagen auf dem Boden. Die Schäden hielten sich aber in der ganzen Region in Grenzen.
Dummerweise wollte der Strom aber nicht wiederkommen. Die netten Angebote von Freunden, die Nacht bei ihnen zu verbringen, haben wir abgelehnt. Die Vorstellung eines gemütlichen Abends nur bei Kerzenschein schien verlockend, war dann aber doch eine Schnapsidee: Ein brennendes Kerzenmeer und ein neugieriges Kleinkind? Lieber nicht. Außerdem gab es in unserem Haushalt gar nicht genug Kerzen, um für ausreichend Licht zu sorgen. Also ist Chris noch mal losgebraust und hat im Supermarkt zahlreiche Batterien, eine zweite Taschenlampe, LED-Leuchten und noch mehr Kerzen besorgt. So kam endlich Licht ins Dunkel und wir konnten es uns zu dritt im Bett gemütlich machen und (Bilder-)Bücher (vor)lesen.
Mitten in der Nacht (nach 13 Stunden Stromausfall) gingen dann gegen 4 Uhr das Licht und die Klimaanlage wieder an. Große Erleichterung: So war der frische Kaffee am nächsten Morgen gesichert. 








Montag, 29. August 2016

Ohne Eingewöhnung in den Kindergarten

Heute war Benjamins "first day of (pre)school" und meine Nerven liegen immer noch blank. Langsame Eingewöhnung? Das kennen die Amerikaner nicht. Hier wird direkt von null auf hundert durchgestartet. Das heißt: Keine anfängliche Begleitung durch die Eltern, keine zeitliche Staffelung. Das Kind wird in der Kindergarten-Gruppe abgeben und nach 3,5 Stunden wieder abgeholt. Punkt. Als ich Benjamin in die Arme der Erzieherin übergab, flossen die Tränen. Nicht bei ihm, sondern bei mir...
Eine meiner amerikanischen Freundinnen ist Kinder-Psychologin. Sie ist selbst kein Fan dieser knallharten Methode, hat mir aber versichert: "It won't traumatize him". Dieser Satz wurde also zu meinem Mantra, um den Vormittag irgendwie zu überleben.
Tatsächlich habe ich ihn (mit Magenschmerzen) überstanden und Benjamin nach einer gefühlten Ewigkeit wieder abgeholt. Laut Protokoll war er anfangs traurig, nach einer Weile aber "happy and he had a fun day."
Das glaube ich auch, denn abgesehen von der fehlenden Eingewöhnung bin ich von diesem Kindergarten und seinen tollen Erzieherinnen sehr überzeugt. Ich habe mich damals lange informiert und ihn nicht ohne Grund ausgewählt. Die Atmosphäre ist wunderbar warmherzig und ich bin sicher, dass Benjamin dort gut aufgehoben ist.
Der Betreuungsschlüssel für die Gruppe der 1-Jährigen liegt bei zwei Erzieherinnen für acht Kinder. Da findet sich immer wieder eine Schulter zum Anlehnen oder ein Arm zum Kuscheln. Bestes Beispiel: Als ich Ben abgeholt habe, war er beim Bilderbuchlesen auf dem Schoß einer Erzieherin eingeschlafen...
Ich hatte auch nachmittags nicht den Eindruck, dass der Zwerg in irgendeiner Weise verstört war. Allenfalls ziemlich müde und k.o. von den ganzen Eindrücken. Für gute Laune sorgte da die kleine selbstgebastelte Schultüte: Die grünen Frösche sind mal eine nette Abwechslung zu den üblichen Badeenten und kommen heute Abend direkt in der Badewanne zu Einsatz.




Sonntag, 21. August 2016

Who let the dogs out? Baseball bei den Riverdogs

Zum ersten Mal haben wir ein Baseball-Spiel besucht und waren begeistert. Also nicht vom Spiel, das war, ehrlich gesagt, ziemlich öde. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass viele Besucher kaum wegen der "fesselnden" Spielzüge kommen. Vielmehr geht es um das ganze Drumherum und die tolle Stimmung: Eine spektakuläre Party für die ganze Familie, mit ein bisschen Baseball im Hintergrund. Dabei dreht es sich vor allem um eins: Essen. Es wurden ohne Ende Hot Dogs, Pizzen, Fritten, Eis und Chips verschlungen... Der helle Wahnsinn. Für Ben gab es sogar ein Kids-Menü umsonst... Das hat ihn aber gar nicht interessiert. Er stand lieber herum, hat zur lauten Musik geklatscht und sich im Kreis gedreht. Unendlich süß!
Auch Cola und Eistee flossen in großen Mengen, nur an ein kühles Bierchen, da kamen wir nicht so schnell heran. Aus einem der aufgestellten Kühlschränke nehmen und bezahlen? So einfach ging es nicht. Wir hatten ja noch keine orangefarbenen Bändchen, die uns (längst die 30 überschritten) eindeutig als über 21-Jährige identifizierten. Also die Kontroll-Dame im Getümmel gesucht, Ausweise gezeigt, Band kassiert und weitergemacht. Puh. Aber mich bringt eh nichts mehr aus der Ruhe, seit ich im letzten Jahr beim Kauf von alkoholfreiem Bier nach meinem Ausweis gefragt wurde...
Nach einer Stunde war das Spektakel leider für uns vorbei. Ben war von seiner Tanzerei und der Sonne so überdreht, dass wir nach Hause gefahren sind. Begleitet hat uns ein Ohrwurm, der immer wieder im Stadion gespielt wurde: "Who let the dogs out? Who? Who? Who? Who?"



























Sonntag, 14. August 2016

Auf der Langstrecke mit einem 1-Jährigen

Dass im Sommer der große Flug nach Deutschland ansteht, wussten wir schon lange. Damit Benjamins erster Flug nicht gleich neun Stunden dauert, haben wir testweise vorab im Mai einen kleinen Inlandsflug nach Washington gemacht. Es hat alles gut geklappt, Ben hat über den Wolken friedlich geschlummert und auch das Starten und Landen war kein Problem für ihn. Entsprechend beruhigt sahen wir dem langen Flug entgegen. Auf einigen anderen Blogs habe ich gelesen, dass Langstreckenflüge mit kleinen Kindern "total easy" sind - solange die Vorbereitungen stimmen. (Das ganze untermalt mit Fotos von entspannten  und gut gelaunten Kids an Bord). Das motivierte natürlich zusätzlich und ich habe sämtliche Tipps berücksichtigt: Im Rucksack waren Lieblingsbücher, Lieblingssnacks,  das iPad, die Kuscheldecke und sogar ein neues Spielzeug.
Wer an das "total easy" glauben will, sollte jetzt besser nicht weiterlesen. Spielzeug? Bücher? Snacks? Ein Kinderfilm? Das hat Benjamin immer nur für wenige Minuten begeistert. Unser "Walker" wollte lieber das gesamte Flugzeug erkunden und hat sich mit ganzer Kraft und großem Gebrüll aus dem Sitz bzw. von unserem Schoß gedrückt. Blickkontakt mit den anderen Fluggästen? Den haben wir einfach mal komplett vermieden.
Natürlich haben wir versucht, ihn zwischenzeitlich immer wieder laufen zu lassen. Dummerweise wollte er das vor allem beim Starten, Landen, bei kleinen Turbulenzen und sobald der Servicewagen umherfuhr. Auch die grünen Lichter unterhalb der Sitze in der Business Class haben ihn magisch angezogen. Da gab es dann direkt Ärger mit einer besonders kinderfreundlichen und einfühlsamen Stewardess...
Chris und ich waren schon nach wenigen Minuten schweißgebadet. Der regelmäßige Blick auf die Ankunftszeit hat uns verzweifeln lassen: Oh prima, "nur" noch sieben Stunden... Immerhin war die Reise nach Deutschland ein Nachtflug und Ben hat irgendwann einige Stunden geschlafen. Umso mehr Angst hatten wir vor dem 9-Stunden-Rückflug, der tagsüber stattfand. (andere Verbindungen gab es leider nicht.) Vorsichtshalber haben wir beim Mittagsimbiss an Bord direkt Weißwein bestellt. Das beruhigte die Nerven. Abgesehen von zwei kurzen Schläfchen (ca. 40 Minuten) haben wir dann nonstop versucht, den Zwerg irgendwie bei Laune und das protestierende Schreien in Grenzen zu halten. Im Sitzen, beim Laufen, sogar gemeinsam auf den Boden hockend (wir hatten Plätze mit besonders viel Fußraum gewählt.)
Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir endlich an und werden im nächsten Jahr auf keinen Fall wieder nach Deutschland fliegen. :-) Wir erobern nach der guten Erfahrung im Flug nach Washington lieber mit kurzen Inlandsflügen weitere Ecken der USA. Der nächste Trip für Oktober ist schon gebucht. 







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