Samstag, 18. März 2017

Family vacation: Chicago Teil I


Winterliche Grüße senden wir aus dem Hinterland von Chicago. Wir haben seit ein paar Tagen ein kleines süßes Haus am Fox Lake gemietet und entspannen hier, bevor es über's Wochenende zum Sightseeing nach Chicago Downtown geht. Mit dem Wintereinbruch und Schnee haben wir überhaupt nicht gerechnet, aber es ist so wunderschön! Nur Benjamin, unser sonnen- und wärmeverwöhntes Südstaaten-Kind, bleibt skeptisch. Unser Ausflug zu einem nahegelegenen Ski-Resort war ein absoluter Reinfall: Bestens ausgestattet mit Skianzug und Schneeschuhen wollten wir mit dem Zwerg zum ersten Mal rodeln und eine Schneeballschlacht machen. Nach nur 30 Minuten mit vielen Tränen und "Ben kalt"-Ausrufen unseres Handschuh-Verweigerers haben wir aufgegeben und sind zurückgefahren. Große Freude dagegen am nächsten Tag beim Besuch des Lincoln Park Zoos: Die meisten Tiere versteckten sich zwar bei der Kälte, Ben fand aber ohnehin etwas viel spannender als Löwen, Affen und Pinguine: Er hatte eine kleine Baustelle samt Bagger entdeckt und wollte dort gar nicht mehr weg. Zum zwischenzeitlichen Aufwärmen eignete sich das Conservatory im Park: Im Tropenklima warteten tausende exotische Pflanzen und Blumen.
Ausprobiert wurde natürlich auch bereits die berühmte Deep Dish Chicago Style Pizza. Wir mögen eigentlich lieber dünne Pizzen, daher war dieser "Kuchen" nicht so ganz unser Fall. Zu viel Käse, zu viel Tomate, aber der knusprige Teig war der absolute Hit. Erwähnenswert ist noch unser "kleines" Gefährt, das uns in diesen acht Tagen von A nach B bringt. Schande über uns, aber es musste endlich mal ein amerikanisches Klischee bedient werden: Wir haben einen riesigen weißen Pickup-Truck gemietet und cruisen damit begeistert durch die Gegend. Herrlich, mal über alle anderen hinweg die Straßen übersehen zu können. Und so viel Platz und Schnickschnack im Innenraum. Der Autovermieter meinte noch in Bezug auf die riesige Ladefläche "Do you need it for something special?" Nö, just for fun. Und weil in South Carolina ungefähr jeden einen Truck fährt... außer wir.











Sonntag, 12. März 2017

Typisch deutsch... Aus Sicht der Amerikaner


Wie der Zufall es will: Drei meiner amerikanischen Arbeitskollegen haben schon einmal eine längere Zeit in Deutschland verbracht. So saßen wir letztens abends bei Wein und Käse zusammen und haben über typisch deutsche Dinge und Macken geplaudert. Der Abend war so lustig, dass ich die besten Themen hier unbedingt festhalten muss.
Aufreger Nummer eins: "No free ketchup in German restaurants". Dafür hatten die Amerikaner überhaupt kein Verständnis. Das rote Zeug gehört umsonst auf den Tisch wie Salz und Pfeffer. Darüber konnte ich nur schmunzeln, während ich den Kritikpunkt "no free water in German restaurants" absolut nachvollziehen kann. Ich weiß es nach zwei Jahren in den Staaten echt zu schätzen, dass der Kellner kostenlose Wassergläser für die Gäste auf den Tisch stellt, bevor er die eigentliche Bestellung aufnimmt. In Deutschland für Wasser zu zahlen, das kommt mir mittlerweile auch komisch vor.
Kurios finden die Amerikaner die Tatsache, dass deutsche Fußgänger bei rot auch tatsächlich an der Ampel stehenbleiben. (Im Gegensatz dazu bin ich schon fast zweimal von Autos angefahren worden, weil ich bei grün (!) den amerikanischen Highway an der Fußgängerampel überqueren wollte. Aber das ist eine andere Geschichte...) Zum anderen wurde über die deutschen Nachrichtensprecher (wohl insbesondere im Öffentlich-Rechtlichen) gelacht, die mit seriösem Outfit und ernster Miene von ihren Stichwort-Blättern ablesen. Kein Vergleich zu vielen amerikanischen News-Formaten, in denen es vor allem um Entertainment und Promis geht.
Beifall gab es für die deutschen reißfesten Taschentücher, für das deutsche Bettenmodell mit zwei Matratzen und zwei Bettdecken und für Spaghetti-Eis. Auf Platz eins der Lobeshymne aber ganz klar: Sich zu betrinken, das wäre in Deutschland immer "well planned". Die Feiernden wüssten schon vorab immer genau, wer nüchtern bleibt und nach Hause fährt, wo der nächste Taxistand ist oder ob der Gastgeber zum Übernachten ein Gästezimmer bereithält. Dagegen mussten sie gestehen, dass unter Amerikanern häufig erst getrunken und danach überlegt wird, wie man eigentlich nach Hause kommt. Gerade hier im Süden, wo es an öffentlichen Verkehrsmitteln mangelt, setzen sich viele daher trotz einiger Gläser Wein oder Flaschen Bier dennoch an's Steuer.
Das können wir bestätigen. Letztens lag unser Nachbar mitten in der Nacht betrunken in den Büschen und wir haben nur gehofft, dass er nicht selbst gefahren ist. Am nächsten Morgen zeigte der Blick auf seinen Truck, der über den Parkplatz hinaus in das Gebüsch geschossen ist, dass ihn sicherlich kein Taxi nach Hause gefahren hat.

Samstag, 4. März 2017

Baby Shower: Nervig oder nett?


In den USA erhalten werdende Mamas in der Regel wenige Wochen vor der Geburt eine Baby Shower. Dazu kommen alle Freundinnen zusammen und es gibt inmitten von überladener blauer oder eben pinker Dekoration Unmengen an Snacks, dazwischen Spiele und viele Geschenke. Bislang war ich davon wenig begeistert, zumal ich eine Shower, die ich als unbeteiligter Gast in einem Café miterleben musste, einfach nur peinlich fand: Die Schwangere packte ein Geschenk nach dem anderen aus, hielt es in die Runde und alle Frauen kreischten und applaudierten beim Anblick eines Windeleimers oder einer Packung Spucktücher. Puh.
Nicht die besten Voraussetzungen also, um für eine amerikanische Freundin eine solche Baby Shower zu planen. Warum? Wieso? Weshalb? Die eigentliche Organisatorin ist kurzfristig abgesprungen und damit die ganze Sache nicht ins Wasser fällt, habe ich mich bereit erklärt und meine ganz eigene Vorstellung einer Baby Shower umgesetzt. Punkt eins: Ein schickes Restaurant und gutes Essen, dazu ein wenig blaue Baby-Boy-Tischdeko, die es hier in irrsinnig großer Auswahl in jedem Bastelladen zu kaufen gibt. Geschenke wollte besagte Mama nicht, weil sie bei der Baby Shower für ihre erste Tochter vor zwei Jahren zu viel Quatsch geschenkt bekommen hat. :-) Also habe ich ein süßes Sparschwein besorgt (auch das in blau, so viel Konsequenz muss sein) und jeder Gast durfte es mit ein wenig Cash füttern.
Der Punkt Spiele bereitete mir mehr Kopfschmerzen. Ich persönlich stehe ja eher auf nette Gespräche statt auf alberne Unterhaltungspunkte wie "Säuglinge aus Knete formen" oder "mit verbundenen Augen ein Baby malen". Andererseits wollte ich auch nicht der deutsche Spießer sein und habe nach langen Internetrecherchen am Ende zwei tatsächlich ganz süße Aktionen entdeckt: Jeder Teilnehmer schrieb seine netten Wünsche für das Baby auf eine Karte und außerdem jeweils eine aufmunternde oder witzige Botschaft für die Eltern auf ein paar Windeln, die dann bei nächtlichen Notfällen zum Einsatz kommen sollen. Die zusätzlich gekauften Maßbänder ("Wie dick ist der Babybauch?") und  irgendwelche Rubel-Karten kamen glücklicherweise nicht zum Einsatz, weil wir uns tatsächlich einfach sehr, sehr nett unterhalten haben.
Bin ich jetzt auf den Geschmack gekommen und wünsche mir für unseren zweiten Sohn auch eine Baby Shower? Eindeutig nein. Es hat Spaß gemacht, aber ich kann mich irgendwie mit dem Gedanken nicht anfreunden, dass schon vor der Geburt gefeiert wird. Ist es nicht viel schöner, danach mit Freunden zusammenzukommen und den neugeborenen Wurm vorzustellen?






Samstag, 25. Februar 2017

Zum Dienst auf die Farm

Seit September arbeite ich ehrenamtlich an einem Standort des National Park Services: Die "Charles Pinckney National Historic Site" ist eine Art Museum, untergebracht in einem Farmhaus auf einem wunderschönen alten Plantagengelände. Thematisch geht es um den Plantagenbesitzer und Politiker Charles Pinckney aus Charleston, der Ende des 18. Jahrhunderts als Vertreter für South Carolina an der Verfassung der Vereinigten Staaten mitgeschrieben hat. Ganz große Geschichte also!
Zu meinen Aufgaben gehört der sogenannte visitor service, das heißt ich begrüße die Besucher, erkläre ihnen, was es alles zu entdecken gibt, verkaufe Bücher und Souvenirs und beantworte Fragen.  Außerdem kümmere ich mich um eigene kleine Projekte: Aktuell bringe ich Ordnung in das chaotische Fotoarchiv des Museums und stöbere zum Beispiel durch verblichene Schwarz-Weiß-Bilder aus den 1930er Jahren der damaligen Farmbewohner.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass ich eine Ranger-Uniform tragen muss. Helles Hemd in heller Hose, dazu ein schwarzer Gürtel und geschlossene schwarze Schuhe. Für das Außengelände ist ein Hut vorgeschrieben - immer. Bin gespannt, wie sich das Outfit im Laufe meiner Schwangerschaft noch ändert. Den Gürtel habe ich schon vor Wochen abgelegt, die Hemdenknöpfe lassen sich so gerade noch schließen...
Ehrenamtliches Engagement ist in den USA übrigens viel verbreiteter als in Deutschland, und das nicht nur unter Rentnern. Schon Kids helfen bei Summer Camps aus, verteilen Getränke beim Marathon oder unterstützen die lokalen Tierschutzorganisationen. Ich habe letztens gelesen, dass hier in jede gute Bewerbung um einen Job die Nennung mindestens eines Ehrenamts gehört.













Samstag, 18. Februar 2017

Ich bin zurück: Mit big news!

Es tut mir leid, auf dem Blog war wochenlang nichts los. Ich bin weder verschollen noch habe ich die Lust am Schreiben verloren. Ganz im Gegenteil: Ich saß in wirklich jeder freien Minute an meinem Schreibtisch. Allerdings habe mich ausschließlich meiner Dissertation gewidmet, alles andere blieb gezwungenermaßen liegen. Aber das "Werk" ist mit rund 350 Seiten nun endlich fertig und ich bin so erleichtert! Ein wenig Arbeit folgt in den nächsten Wochen noch, wenn meine Korrekturleser ihre Änderungsvorschläge einreichen. Aber im Grunde kann man sagen: Projekt abgeschlossen! Jetzt genieße ich erst einmal die freie Zeit, gehe ohne schlechtes Gewissen stundenlang Kaffee trinken, am Strand spazieren oder lese endlich mal einen Krimi statt ein Fachbuch.
Das nächste Projekt wirft im übrigen schon seine Schatten voraus: Ich passe nicht mehr in meine normalen Klamotten. Benjamin bekommt im Juni einen kleinen Bruder und wir freuen uns tierisch, dass wir bald zu viert die Welt erkunden! Weil ich mich zukünftig daheim gleich gegen drei Männer durchsetzen muss, meinte meine Frauenärztin schon: "You need a female cat!" Mal sehen... :-)
Jedenfalls geht es mir prima und ich habe viele Ideen und Themen für den Blog im Kopf. In Zukunft wird hier also wieder regelmäßig gepostet und ich freue mich, dafür endlich genügend Zeit zu haben. Zu berichten gibt es genug: Ich arbeite seit einigen Monaten ehrenamtlich in einem Museum, habe in der Zwischenzeit eine typisch amerikanische Baby-Shower für eine Freundin organisiert und die Vorbereitungen für unseren nächsten Urlaub in Chicago laufen. Dazu also bald mehr!


Samstag, 7. Januar 2017

Best Hot Dog in Town


Ich war noch nie ein Fan von Hot Dogs (schon gar nicht bei Ikea) und meine Bilanz nach zwei Jahren USA ist in dieser Hinsicht gleich null. Entsprechend lang hat es gedauert, bis Chris mich heute zu einem Besuch bei Jack's Cosmic Dogs überreden konnte. Aber da mein Patenkind in Deutschland ebenfalls Jack heißt und heute Geburtstag hat, habe ich mich zur Feier des Tages geschlagen gegeben.
Bereut? Ganz im Gegenteil. Der Laden ist ziemlich originell im Weltraum-Stil eingerichtet und die Karte ebenso kreativ: Hier wird die Wurst nicht einfach mit Senf und Zwiebeln ins labbrige Brötchen geworfen, sondern kommt als Omega Dog mit reichlich Käse, als Atomic Dog mit Chili oder eben als klassischer Cosmic Dog mit Krautsalat und Süßkartoffel-Senf daher. Letzterer hat mich ziemlich überzeugt, genauso wie die selbst gemachten Fritten. Ben war happy mit seinem simplen Kids-Menü ohne Schnickschnack und Chris etwas neidisch, weil sein Hot Dog auch sehr gut, aber eben nicht so genial wie meiner schmeckte.
Zum Nachtisch ein Softeis mit Schoko-Soße beziehungsweise Oreo-Keks-Bröseln und der Fast-Food-Samstag konnte satt und zufrieden abgehakt werden. Also, liebe Leute, die uns 2017 in Charleston besuchen werden: Der Laden ist ein fester Programmpunkt und nach diesen amerikanischen Hot Dogs wird niemand mehr bei Ikea essen wollen.












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